Newsletter 2022 № 5
Steine. Zeichen
Die Natur ist zweifelsohne die grösste Künstlerin überhaupt. Myriaden von Kunstwerken umgeben uns - so auch am Vorderrhein bei Trin. Da wandelt man - in diesem Falle mat. mit Gemahlin - auf unzähligen, wunderbar gezeichneten Steinen. Betrachtet man die Körnung dieser Steine sehr genau, glaubt man sich in einem unendlichen Universum von funkelnden Sternenkörnern zu verlieren. Drei Steine - drei Bilder - und eines obendrauf. Das ist das Motto der folgenden Bilderreihe.
Triner Gestein (I)
Steine. Zeichen (I) (2022; 30 cm x 40 cm)
Triner Gestein (II)
Steine. Zeichen (II) (2022; 30 cm x 40 cm)
Triner Gestein (III)
Steine. Zeichen (III) (2022; 30 cm x 30 cm)
Das vierte Bild dieser Reihe gründet auf derselben Maltechnik, löst sich aber von den Triner Steinzeichnungen.
Steine. Zeichen (IV) (2022; 30 cm x 40 cm)
«I feel like»
Wir alle wissen nur allzu gut, wie eskalierend Kommunikation sein kann. Die Sprachen halten für uns aber auch eine Unzahl von Strategien zur Deeskalation parat. So sind wir nicht dazu verdammt, immerfort Behauptungen in die Welt hinaus zu posaunen, sondern können auch Spielräume für Widerspruch - und Deeskalation - eröffnen. «I Think It’s Fine to Say ‘I Feel Like’», war kürzlich ein Artikel in der New York Times überschrieben (Autor: John McWhorter).
Darin heisst es: «Wenn Menschen ihre Gedanken mit ‘Ich habe das Gefühl’ einleiten, geben sie damit zu verstehen, dass die Quelle dessen, was sie sagen wollen, zwar begründet, aber nicht unumstösslich ist. Stillschweigend lassen sie anderen die Möglichkeit, ihnen zu widersprechen. Dabei handelt es sich weniger um ein Zurückweichen als um ein freundliches Entgegenkommen.» (Übersetzung mat.)
mat. (Foto: Tim Truniger)
Von diesem freundlichen Entgegenkommen handelt das Bild «The Dialogue. I Think It’s Fine to Say ‘I Feel Like’». Als Modelle für die schemenhaften Figuren wollte ich eigentlich unsere Sprösslinge wählen. Da eine Figur aber mit «Fuckhead» bezeichnet wird, schien mir das unangemessen zu sein. Ich liess es daher bleiben - und bat unseren Jüngsten, mich zu fotografieren. So gesehen wird der gemalte Dialog (auch) zum deeskalierenden Selbstgespräch. Auch ein solches kann zuweilen angezeigt sein.
The Dialogue. I Think It’s Fine to Say ‘I Feel Like’
(2022; 40 cm x 50 cm)
Part 1: A: «Fuckhead!»
Part 2: B: «.....???»
Part 3: B: «I feel like we should take a break.»
Part 4. A: «I think you are right.»
(End)
Von Igeln und Füchsen
Am Offenen Atelier-Wochenende wurde ich sehr häufig gefragt, wie ich zu meinen Ideen kommem würde. Auf diese stosse ich - oder sie fallen mir zu. Man sollte einfach die Augen immer schön offen halten.
Nach einer Unterscheidung von Isaiah Berlin gibt es unter den Denkern die Igel, die eine große Sache wissen, und die Füchse, die viele Ideen verfolgen. Diese Unterscheidung kann man sicher auch auf Kunstschaffende anwenden - und ich gehöre bestimmt zu den Füchsen. Mich treibt die Lust am immer wieder neuen Gegenstand an, dem ich neue Perspektiven abzugewinnen suche.
Und damit soll der Vorhang in diesem Newsletter fallen.
Skizze einer Installation (l)
(2022; 30 cm x 40 xm)