Die „Coupe à la Garçonne“ geht von Paris aus und erfreut sich im Europa der 1920er Jahre - und darüber hinaus - enormer Beliebtheit. Auf Deutsch "Bubikopf" (oder zunächst „Bubenkopf“) genannt, wird der Haarschnitt zur Ikone der "Goldenen Zwanziger" des letzten Jahrhunderts und zum Symbol der „Neuen Frau“, die eine selbstbestimmte Lebensweise beansprucht. Freilich handelt es sich beim "Bubikopf" auch schlicht um einen modischen Trend. Mit dem Frisur- geht ein Stilwandel einher; beides steht für Aufbruch, welchem aber auch Abwehr entgegenschlägt. Dies alles und viel mehr ist nachzulesen in Helga Lüdtkes lesenswertem Buch "Der Bubikopf. Männlicher Blick - weiblicher Eigen-Sinn" (2021). 


Louise Brooks, mit zurückgekämmtem "Bubikopf"
(2021; 60 cm x 80 cm)


Mein Bild ist eine Hommage an den für Aufbruchsstimmung stehenden "Bubikopf" sowie an eine von dessen markanten Trägerinnen: die als Schauspielerin in Stummfilmen bekannt gewordene Louise Brooks. Was die Machart meines Gemäldes anbelangt, so reduziert das 60 cm x 80 cm große Bild Brooks' Physiognomie auf wenige wesentliche Züge und die Farbpalette auf das Quartett schwarz, weiss, blau und grün.

April 20, 2021 l ANA I Mexico City 

(2021, 100 cm x 80 cm; Holzplatte)

 

Das Bild ANA hebt sich mit Farben vom pechschwarzen Grund ab, denen ich allesamt reichlich weiss beigemischt habe. Wenn nur noch Restlicht aufs Bild fällt, beginnen die Farben entsprechend zu leuchten, wie Sterne im Nachthimmel. Dann changiert ANA, grossformatig auf einer Holzplatte gefasst, gleichsam zwischen realer und kosmischer Existenz.

Wer ANA ist? Sie war am 20. April 2021 tatsächlich und real existierend in Mexico City. MUCHOS SALUDOS A ANA!

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Der niederländische Künstler Jan van Eyck (1390 bis 1441) malt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein (im Original verschollenes, nur in Kopien erhaltenes) Bildnis von Jesus, welches zahlreiche Malerinnen und Maler zu Nachahmungen inspiriert. So erschafft etwa der Künstler Petrus Christus (1410 bis 1475) um 1450 das Bild "Christus als Schmerzensmann". Auf dieses Gemälde bin ich im 2020 erschienenen Band "Van Eyck: Eine optische Revolution" gestossen. Mein Bild geht von Petrus Christus' Werk aus, distanziert die Figur aber durch "Skulpturalisierung", Monotonisierung des Hintergrunds und Inversion des Lichts. 


Sculptural Man of Sorrows (mat.2021; 19 cm x 19 cm)

Petrus Christus - Man of Sorrows (ca. 1450)

 

"Woher kommen wir? Wie sollen wir leben? Wohin gehen wir nach dem Tod? Der Mensch ist das Wesen, das Fragen hat. Wohl schon in prähistorischer Zeit begannen Menschen nach Antworten zu suchen. Religionen entstanden aus Antworten, gefunden von Menschen, die anonym in den Tiefen der Geschichte verschwanden oder Namen tragen wie Abraham, Jesus, Mohammed." Dies schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid anfangs Juni dieses Jahres in der Neuen Zürcher Zeitung. Es ist für eine Gesellschaft sicherlich ratsam, solche Fragen im Blickfeld zu bewahren. Der kleinformatige "Sculptural Man of Sorrows" erinnert - aus der Distanz - daran.

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Fragen & Antworten zu meiner Malerei

Wieso malst du?
Weil es mein Leben bereichert. Im Idealfall berührt das eine oder andere Bild auch die Betrachter/innen meiner Bilder.

Wie kommst du zu deinen Inspirationen?
Indem ich mit offenem Blick und offenem Geist durch die Welt zu gehen versuche.

Worum geht es in deinen Werken?
Diese Frage kann ich nicht pauschal beantworten. Das Verbindende ist vielleicht meine grosse Freude an organisch-ornamentalen Formen. Wobei das wohl zu einschränkend ist: Ich glaube, meine Bilder spiegeln mein Interesse an der wunderbaren Vielfalt unserer Existenz wieder. Ich könnte mich deshalb auch nie nur einem Themenkreis verschreiben. Mich zieht's da jeweils weiter, zum Nächsten.

Hast du ein Lieblingsbild, das du gemalt hast?
Es sind vielleicht mehr die Geschichten, die zu den Bildern führen oder mich beim Malen begleiten, welche ich besonders mag. So erinnert mich z. B. das Bild "Herbstlicher Hagebutten-Zweig" an einen Spaziergang mit meiner Frau, auf welchem uns plötzlich ein dunkelrot leuchtendes Zweiglein ins Auge sprang. Oder der "Apfel mit Loch in die Unendlichkeit" erinnert mich an meine Auseinandersetzung mit dem Künstler Enzo Mari.

Deine Lieblingsfarbe?
Da kann ich keine einzelne Farbe nennen. Das Zusammenspiel der Farben, der Kontrast zwischen Farben macht's für mich aus.

Natur oder Kultur?
Beides natürlich! Natur trägt alles in sich; Kultur bringt alles zum Ausdruck.

Wo bist du mit deiner Malerei in 5 Jahren?
Es würde mich sehr freuen, in den nächsten Jahren eine wirklich schöne Ausstellung in einem tollen Gebäude mit einem spannenden Ausstellungskonzept verwirklichen zu können.

Der schönste Moment beim Malen?
Wenn die Skizze steht, das Malen beginnt: Dann begibt man sich auf eine wundersame Reise. Und natürlich der Abschluss eines Bildes, die Freude über das Geschaffene. Weil dann auch der Kopf wieder so richtig schön frei für einen neuen Plan wird.

Skizzierst du deine Bilder immer - oder malst du auch einfach mal drauflos?
Die Bleistiftlinien allüberall sind da untrügliches Zeichen: Ich skizziere häufig zunächst. Mir gefallen Bleistiftlinien an sich sehr. Die gehören für mich zum Werk.

Hast du Künstlerinnen und Künstler, die dir Vorbild sind?
Spannend finde ich Malerinnen und Maler, die vom Kunsthandwerk her kommen. Aber ich beisse mich nicht an bestimmten Künstler/innen fest. Sehr beeindruckend sind für mich auch archaische Ausdrucksformen von Kunst, so zum Beispiel Zeichen und Formen auf Tonscherben. Darauf nimmt etwa mein Bild ע to ע (eye to eye) Bezug.

Deine Kunst ist…
… eher Form denn Auflösung, eher weltzugewandt denn verzagt, eher vom Gedanken denn von der spontanen Intuition her kommend. Aber vielleicht ist alles auch anders - oder vielmehr: im Fluss.

Denkst du, dass du mit deinen Bildern etwas bewirken kannst?
Jetzt sind wir wieder am Anfang: Mich freut ungemein, wenn meine Bilder bei Menschen etwas auslösen: Inspiration, Freude, Erinnerung. Das Bild "Motifs on flag at Jimis concert in Maui 1970, multiplied and pigeonholed" etwa erinnert eine Betrachterin an Kalifornien, ans Meer, wie sie mir schreibt. Diese Assoziation finde ich spannend. Einem Menschen leuchten vor dem Bild "Einbruch der Nacht am See (Becoming a butterfly III)" die Augen. Das ist toll.

Ist deiner Meinung nach jeder Mensch ein Künstler?
Im Moment, in welchem er oder sie etwas erschafft, das in Beziehung tritt: ja, eigentlich schon - oder nicht?

Wenn sich jemand speziell für eines deiner Bilder interessiert?
... Kann er oder sie sich gerne bei mir melden.

Hast du ein Maler-Credo?
Das ist nicht allein auf die Kunst gemünzt. Sehr frei nach der Lyrikerin Dagmar Nick lautet es: Bedenke nicht zu früh das Ende / des Flugs.

Hast du eine weitere Frage? Eine Rückmeldung? Schreib mir an: 

[email protected] 

Herbstlicher Hagebutten-Zweig 
(2019; 120 cm x 100 cm)