Newsletter 2021 № 7 


 «Für mich ist Licht immer da, es kommt nicht und geht nicht, es ist immer überall.» (Mariko Mori) 

 
Im Zweifel bin ich für den Zweifel und die Rationalität. Gleichwohl habe ich zuweilen Sympathien für kontraintuitive bis empiriefreie, einfach mal so hingeknallte Aussagen wie die eingangs zitierte der japanischen Künstlerin Mariko Mori. So wünsche ich, ganz in Moris Sinn, allen - hienieden und allüberall - Licht und Klarheit. 

"Vielleicht ist die Realität, wie wir sie kennen, gar nicht so real" 
(Mariko Mori) (2020; A4)

Sehr viel Licht liess ich auf Moriko Moris Konterfei fallen. Nur wenige Gesichtszüge werden von der Helle nicht verschluckt. Gleichwohl bleibt die Multimediakünstlerin als Mariko Mori erkennbar. 

*****

Das Toggenburg gehört unzweifelhaft zu meinen Herzensregionen. Aus der Kombination meiner Liebe zu dieser Region sowie zur figurativen, mit den Grenzen zur Abstraktion spielenden Darstellung entspringt das Bild «Abendrot über Churfirsten und oberem Thurlauf». Ob Bergsilhouette und Flussverlauf kartographisch exakt wiedergegeben seien? Selbstredend! 

 Abendrot über Churfirsten und oberem Thurlauf 
(2021; 30 cm x 40 cm) 

 

Wenn wir bei den Churfirsten sind: Vor einiger Zeit, auf Velotour mit Herrn Professor AW, schien mir die Bergkette, als sei sie in Hodlersches Licht getaucht. So entstand das mittelgrosse Bild «Churfirsten – von Gähwil aus gesehen, in Hodlerschem Licht».  Das Bild - vielleicht etwas lieblich, mir gleichwohl viel bedeutend.

Churfirsten – von Gähwil aus gesehen, in Hodlerschem Licht 
(2019, 50 cm x 40 cm)

*****

Wer den Newsletter Nr. 6 gelesen hat, mag sich fragen: Schon wieder Motive aus dem christlichen Kontext? Die Frage ist insofern mit «nein» zu beantworten, als die im unteren Teil des (geöffneten) Genter Flügelalters dargestellte Szene aus der Offenbarung des Johannes an dieser Stelle gänzlich aussen vor gelassen wird. 

Flügelaltar von Gent


Vielmehr gilt das Augenmerk des in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts von Jan van Eyck (1390 bis 1441) - wieder van Eyck (!) - geschaffenen Monumentalwerks der darin dargestellten Pflanzenwelt. In einer jüngst erschienenen Studie wurden sage und schreibe 75 Baum-, Pflanzen- und Blumenarten im Altarbild gezählt. «Blumen bis in feinste botanische Details zu malen, war für einen geübten Maler gut ausführbar. Blumen sind unbeweglich und lassen sich im Atelier ausführlich unter die Lupe nehmen; aber die Mühe, die van Eyck sich zugestand, um eine nahezu enzyklopädische Sammlung von oft symbolgeladenen Arten aufzunehmen, schuf einen neuen Massstab», heisst es im ebenso bildgewaltigen wie prächtigen Band «Van Eyck. Eine optische Revolution». 

Bildausschnitt I aus dem Genter Flügelaltar


Mich fasziniert der Künstler van Eyck, weshalb ich mich entschloss, ein Bild zu malen, welches zumindest dessen Namen im Titel trägt. 

 
Im mittleren Bild in der unteren Reihe des Genter Altarbildes findet sich in der linken Hälfte dieser Bildausschnitt:

Bildausschnitt II aus dem Genter Flügelaltar

  

Obwohl nur schwer erkennbar, klopften die weissen Doldengewächse an meine Maler-Seele. So entstanden die eher kleinformatigen, schlichten Gemälde «Van Eycks Dolden-Blüten I bis III», welche mich nun auf alle Zeiten mit dem grossen van Eyck verbinden (wobei ich mir meines bescheidenen Platzes - an van Eycks Rocksaum - selbstverständlich bewusst bin). 

Van Eycks Dolden-Blüten I (2020; 20 cm x 30 cm)

Van Eycks Dolden-Blüten II (2020; 20 cm x 30 cm)

Van Eycks Dolden-Blüten III (2020; 20 cm x 30 cm)