mat.-Newsletter 2021 Nr. 3

«Alles neu macht der Mai», heisst es. So ist denn dieser Newsletter zum bevorstehenden Monat Mai-Beginn meinen neuesten Bildern, versehen mit jeweils einem kurzen Kommentar, gewidmet. 
 
Wer die Bilder «live» betrachten möchte, ist jederzeit herzlich willkommen. 
 
Möge dich das eine oder andere Bild erfreuen! 
 
Michael

Bloom (2021; 100 cm x 80 cm)

 

Eine Blumenwiese im Frühling, in welcher sich das Auge verliert: Eine solche hatte ich beim Malen dieses Bildes in der Vorstellung. Betrachtet man das reale Bild aus der Nähe, verliert sich der Blick tatsächlich in den unzähligen Kreisen – und es wird einem beinahe schwindlig. 

Frau mit Papagei. Hommage an die Fotografin Frieda G. Riess 
(1890 bis 1957)  (2021; 24 cm x 32 cm)

 

Frieda G. Riess gehört zum Kreis berühmter Fotokünstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie bannte vor allem prominente Personen auf Zelluloid, hielt sich aber auch in einem «Selbstbildnis mit Papagei» fest. In meiner Wahrnehmung verschwimmen in ihren Bildern die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie – weshalb ich die Fotografie denn in ein kleinformatiges Gemälde transponierte. Einzig verwendete Farben: blau, weiss, schwarz.

Multiferroikum (rotgepunktet)* (2021; 80 cm x 60 cm)

 

Multiferroika sind magnetisch, gleichzeitig aber auch elektrisch polarisiert und richten sich damit sowohl entlang magnetischer als auch elektrischer Felder aus. Die ETH Zürich widmet sich seit vielen Jahren der Erforschung von Multiferroika. Nun sind diese Materialien nicht nur für die Forschung spannend, sondern bezüglich ihrer Ästhetik auch wahre «Top models». Die materialfremden roten (resp. grünen) Punkte sind der künstlerischen Komplettierung geschuldet.

Multiferroikum (grüngepunktet)* (2021; 80 cm x 60 cm) 

Amazonia (2021; 50 cm x 40 cm)

 

Im Frühjahrsheft 2021 der Zeitschrift für Ideengeschichte findet sich ein spannender Text über aus Glasperlen gefertigte Kunstprodukte indigener Ethnien im Grenzgebiet Venezuelas/Brasiliens. Das Bild «Amazonia» ist bezüglich Motivik und Farbwahl davon inspiriert. Freilich: Die Ästhetik ethnographischer Gegenstände ist das eine; der historische Hintergrund das andere. Die eingangs erwähnte Ausgabe der ZIG ist deshalb sehr zur Lektüre empfohlen.

Apfel mit Loch in die Unendlichkeit (2021; 100 cm x 100 cm)


Enzo Mari ist ein genialer Inspirator (s. Newsletter 2021 Nr. 2). Von ihm stammt auch der untenstehende rote Apfel auf weissem Grund. Für meinen Geschmack ‒ und bei allem Respekt vor Enzo Maris Schaffen ‒ ist die Form allzu perfekt und fehlt dem Objekt, um es mal salopp zu formulieren, die metaphysische Tiefe. Ich setze, mich gleichzeitig vor Enzo Mari verneigend, dem roten deshalb meinen schwarzen Apfel mit metaphysischem Loch in die Unendlichkeit zur Seite. Dieser Apfel prangt nun auch als Logo auf dieser Homepage. 

A propos "Unendlichkeit": Dies ist ein Schlüsselbegriff im musikalischen Schaffen der Band Tocotronic. Ich habe der Band meinen Apfel deshalb exklusiv fürs Cover ihres neuen Albums zugesandt. Manager Stephan Rath (manchem/-r bekannt als Schlagzeuger der Goldenen Zitronen) antwortete postwendend: "Der Apfel ist wirklich süss! Meine Güte ... Ich habe es der Band weitergeleitet." Der metaphysische Apfel hat somit seinen (Individuations-)Weg in die Unendlichkeit angetreten.

 Enzo Mari - Uno, la mela (1963)